Ein rechtlicher Meilenstein für die Natur: Lateinamerika leitet den Prozess zur Verabschiedung eines Mustergesetzes zum Ökozid ein

Lateinamerika beherbergt einen außergewöhnlich hohen Anteil der weltweiten Artenvielfalt – und ist zugleich Schauplatz einiger der schwerwiegendsten sozio-ökologischen Konflikte. Als Reaktion auf diese Realität strebt die Region die Einführung eines beispiellosen Rechtsinstruments an: eines Mustergesetzes zur „ Ökozid-Konzept “, das speziell auf die lateinamerikanischen Rechtssysteme zugeschnitten ist.

Die Initiative wird von Stop Ecocide International gemeinsam mit der Vereinigung der Forscher im Bereich Umwelt- und Klimastrafrecht (AIDPAC), dem Mexikanischen Zentrum für Umweltrecht (CEMDA), der Universidad Iberoamericana und der Allianz der Umweltrechtskliniken Lateinamerikas und der Karibik geleitet.

Warum ein regionales Mustergesetz?

Im Jahr 2021 erarbeitete ein von der „Stop Ecocide Foundation“ einberufenes unabhängiges Expertengremium eine technische Definition des Begriffs „Ökozid“ für die Zwecke des internationalen Strafrechts. Diese Definition bildet die Grundlage für den 2023 von Vanuatu, Fidschi und Samoa vorgelegten Änderungsantrag zum Römischen Statut. Damit der Begriff des Ökozids jedoch wirksam in die innerstaatliche Gesetzgebung der Länder der Region – die alle eine Tradition des Zivilrechts teilen – integriert werden kann, ist ein Anpassungsprozess erforderlich, der den verfassungsrechtlichen Rahmen jedes Landes, die bestehende Umweltgesetzgebung sowie die lokalen sozio-ökologischen Gegebenheiten berücksichtigt.

Das Mustergesetz soll nicht die nationalen Gesetzgebungsverfahren ersetzen, sondern vielmehr einen fachlichen und rechtlichen Bezugspunkt bieten, der künftige Gesetzgebungsinitiativen in der gesamten Region stärken, die Straflosigkeit bei schwersten Zerstörungen von Ökosystemen bekämpfen und sicherstellen kann, dass Ökozid wirksam strafrechtlich verfolgt und geahndet werden kann.

Ein partizipativer Prozess in drei Phasen

Die Ausarbeitung des Mustergesetzes ist als kooperativer Prozess konzipiert, der von der Einbindung der Zivilgesellschaft bis hin zur juristischen Fachkompetenz reicht.  „Die erste Phase bestand aus einer offenen regionalen öffentlichen Konsultation für die breite Öffentlichkeit, die vom 5. Juni bis zum 19. Juli 2026 stattfand und erfolgreich eine große Vielfalt von Interessengruppen zusammenbrachte: Bürger, Wissenschaftler, indigene Völker, soziale Organisationen und Fachleute aus zahlreichen lateinamerikanischen Ländern. Derzeit finden in der zweiten Phase des Prozesses virtuelle Treffen mit Experten aus verschiedenen lateinamerikanischen Ländern statt, bei denen zentrale Punkte der rechtlichen Struktur des künftigen Modellgesetzes erörtert werden.

Die Ergebnisse der öffentlichen Konsultation (erste Phase) und der virtuellen Expertentreffen (zweite Phase) werden systematisch aufbereitet und dienen als Grundlage für die Arbeit von mehr als 30 Experten aus verschiedenen Ländern der Region. Diese Experten werden im Rahmen eines Präsenzkongresses in Mexiko-Stadt (dritte Phase) an der endgültigen Ausarbeitung des Mustergesetzes mitwirken, bei dem die endgültige Fassung des Mustergesetzes zum Ökozid für Lateinamerika erstellt wird.

Diese letzte Etappe findet vom 29. September bis zum 1. Oktober 2026 in Mexiko-Stadt statt.

Für weitere Informationen:

Maite Mompó: maite@stopecocidio.org   

Rodrigo Lledó: rodrigo@stopecocidio.org