Der Libanon verurteilt Israels Einsatz chemischer Sprühmittel als „Ökozid“
Zusammenfassung:
In einer gemeinsamen offiziellen Erklärung haben das libanesische Landwirtschafts- und das Umweltministerium das Versprühen chemischer Substanzen durch israelische Militärflugzeuge über Regionen im Südlibanon als „Ökozid“ verurteilt.
Laut der Erklärung, die in Abstimmung mit der libanesischen Armee und der Interimstruppe der Vereinten Nationen im Libanon (UNIFIL) veröffentlicht wurde, ergaben Laboranalysen, dass es sich bei der versprühten Substanz um das Herbizid Glyphosat handelte, wobei die festgestellten Konzentrationen zwanzig- bis dreißigmal höher lagen als die in der Erklärung als „normal“ bezeichneten Werte.
Die Ministerien warnen vor unmittelbaren Folgen für die Vegetation, die landwirtschaftliche Produktion, die Bodenfruchtbarkeit und das „ökologische Gleichgewicht“ und fordern die Bewohner und Landwirte in den betroffenen Gebieten auf, bis zum Erscheinen offizieller Anweisungen den Kontakt mit geschädigten Pflanzen sowie die Nutzung lokaler Wasserquellen zu vermeiden.
Der Präsident des Landes, Joseph Aoun, verurteilte dies als „Umwelt- und Gesundheitsverbrechen“ und als „eklatante Verletzung“ der libanesischen Souveränität.
„The Guardian“ berichtete, dass „UN-Friedenstruppen … vom israelischen Militär angewiesen wurden, in Deckung zu bleiben, während dieses eine Luftoperation durchführte, um eine ihrer Aussage nach ungiftige chemische Substanz abzuwerfen.“
In Genf bezeichnete das Büro des Hohen Kommissars für Menschenrechte (OHCHR) diese Entwicklung als „ernsthafte humanitäre Gefahr“ für die Zivilbevölkerung.
In früheren Untersuchungen wurde der Einsatz von Herbiziden aus der Luft in der Region bereits thematisiert. Ein Bericht von Forensic Architecture aus dem Jahr 2019 zitiert eine Antwort des israelischen Verteidigungsministeriums auf einen Antrag nach dem Informationsfreiheitsgesetz, in der bestätigt wird, dass im November 2016 entlang der Grenze zum Gazastreifen Herbizide aus der Luft auf einer Fläche von schätzungsweise 12.000 Dunam (12 Quadratkilometer) versprüht wurden.
Lesen Sie die vollständige Erklärung des libanesischen Landwirtschafts- und Umweltministeriums hier.